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Interview mit Rick Jensen

Posted: Februar 13th, 2010 | Author: Boost News | Filed under: Boost-News, Interviews | No Comments »

Rick Jensen gehört zu den Top-Kitern in Deutschland. Er fährt unter anderem für Naish Kiteboarding und sein Name steht für einen radikalen Style. In letzter Zeit haben wir nicht mehr viel von ihm gehört, da er sich verletzt hatte. Wie das passiert ist und wie es ihm jetzt geht, erfahrt ihr hier:

Du hast ja gerade mit einer Verletzung zu kämpfen gehabt. Bei deinem letzten Moviedreh auf Mauritus hast du dich verletzt. Was ist genau passiert ?

Bei dem zweiwöchigen Videodreh auf Mauritius hatten wir leider mit Windmangel zu kämpfen und sind daher gezwungen gewesen bei nicht optimalen Bedingungen aufs Wasser zu gehen. Nachdem die Inverts im Kasten waren, heißt es auf ausreichend starken Wind für Kiteloops zu warten. Nach zwei Tagen Windstille kommt der Wind, wenn auch nicht so stark, wie ich es mir gewünscht hätte, am letzten Abend vor unserem Heimflug wieder. Ich knüpfte den 10er Torch an die frisch gekürzten Leinen. Jedoch wurde mir auf dem Wasser leider schnell klar, dass wir zwei Probleme hatten: Zum Einen hat der 10er in Kombination mit den kurzen Leinen nicht ausreichen Power und zum Zweiten hatte ich zur Landung bei LowTide gerade einmal knietiefes Wasser zur Verfügung. Lösung dieser beiden Probleme war, den 12er Torch knallhart aufzupumpen und mit dem 10er auszutauschen. Nun hatte ich schon mal so viel Zug im Kite, dass ich kaum noch die Kante halten konnte. Die Wassertiefe zu ändern, war nicht möglich, also heißt es einfach „Kopf ausschalten“ und beten.

Nachdem der erste Versuch gut ging, wollte ich beim zweiten Anlauf wissen, wo das Limit ist. Ich wartete auf eine Böe und reiße den Kite gnadenlos in einem großen Radius nach hinten. Als mir schon beim aufsteigen fast die Bar aus der Hand rutschte und ich ein kribbeln im Bauch spürte, schoss mir im nächsten Augenblick das Adrenalin durch den Körper und ich versuchte das Beste aus meiner Lage zu machen. Als ich am höchsten Punkt ankam und sah, wie der Kite durch die nicht mehr vorhanden Leinenspannung in sich zusammen fällt und mich bei der Landung nicht mehr auffangen würde. Mit flügelschlagsähnlichen Armbewegungen versuchte ich in eine gute Lage zu kommen, um den freien Fall aus der mehrstöckigen Höhe aufzufangen. Dank der festen Bindungen konnte ich mir schon mal sicher sein, dass ich nicht aus den Schlaufen rutschen und mir mein Schienbein aufreißen oder einen Spagat machen würde. Dass sich mein linkes Knie dazu entscheidet in die falsche Richtung zu beugen, hätte ich allerdings nicht gedacht. Der Einschlag ging so schnell und meine Eier schmerzten mir mehr als alles andere, bevor ich merkte, dass mein Knie instabil ist. Zurück zum Strand ging es dann per Bodydrag und das Abendessen wurde mit ca. 10 Ibuprofen 800 verfeinert, um den Rückflug am nächsten Tag mit 80kg Gepäck zu überstehen. Daheim beim Arzt meines Vertrauens wurden 6 Ampullen Blut aus meinem angeschwollenen und abartig schmerzenden Knie  gesogen, bevor mir die Radiologie mitteilte, dass sich das vordere Kreuzband in Luft aufgelöst hat und die Enden der Knochen vom Oberschenkel und Schienbein leicht angematscht sind. Die OP lief sehr gut und mein Physiotherapeut Artur, ist selbst ein Kiter, quält mich leidenschaftlich gerne, damit ich schnell wieder fit werde.

Wie sind deine Pläne trotz der Verletzung für 2010 sowohl national wie auch international ?

Seit dem 04.02 habe ich die Prüfungen meines ersten Maschbau-Semesters erfolgreich hinter mich gebracht. Also wird es Zeit, die Semesterferien sinnvoll zu nutzen, um nach der Verletzung wieder in Form zu kommen. 5-6 Wochen Thailand bei Onkel Dzevad sollten schon mal ein Anfang sein. Wie die weiteren Pläne im Detail aussehen bleibt vorerst noch ein Geheimnis, da ich keine leeren Versprechungen machen will. Ich versichere euch aber, dass schon so mach ein Schabernack ausgeheckt wurde, den es gilt im Sommer umsetzen.

Thema Trophy 2010, wirst du auch dieses Jahr komplett mit fester Bindung fahren und warum?

JA!!! Warum sollte ich nicht?

Die Fragestellung „Boots or Straps“ hat meiner Meinung nach nichts mit der Trophy, sondern eher etwas mit dem persönlichen Fahrstil und eigenen Vorlieben zu tun. Ich fühle mich in Bindungen einfach wohler. Ehrlich gesagt hätte ich in Straps sogar Angst so zu fahren, wie ich es mit Bindungen tue. Meine Schienbeine mussten schon oft die scharfe Kante des Boards oder eine Finne spüren, wenn ich mit den Füßen aus den Schlaufen gerutscht bin, weil die Landung zu hart war. Klar bringen die Boots auch ihre Nachteile mit sich. Nach dem man sich daran gewöhnt hat und sich in den Stiefeln wohl fühlt, gibt es jedoch kein zurück mehr…

Aber es sollte wirklich jeder für sich selbst entscheiden und vor allem seinem Fahrkönnen anpassen. Sonst verletzt sich noch jemand ;-)

Mit deinen Movies und Bildern setzt du jedes Mal richtig coole Akzente, wer denkt sich die Aktionen eigentlich immer aus?

Die Ideen kommen meist von ganz alleine, ohne Vorankündigung. Wenn etwas Sinnvolles oder auch Sinnfreies dabei ist, wird abgewogen, ob es sich lohnt diese Idee weiter auszubauen oder nicht. Falls ja, wird Tag und Nacht daran getüftelt.

Andererseits sind es oft auch einfach nur spontane Aktionen aus denen ein großes Potential geschöpft werden kann, ohne dass vorher damit gerechnet wurde. Es lohnt sich immer eine Kamera am Start zu haben. Die Sache als ich mir zum Beispiel den Arsch aufgerissen habe, war nur so nebenbei gefilmt und ich hätte niemals vor dem Herunterziehen des Neos mit einer solchen Wunde gerechnet.

Im Sommer trifft man dich oft auf der Anlage in Pinneberg und natürlich an unseren Küsten, welche Spots sind deine Favoriten?

Es gibt an den deutschen Küsten viele sehr gute Spots, die je nach Windrichtung ihren ganz eigenen Charme an den Tag legen und für jeden Geschmack etwas bereit halten. Fehmarn zum Beispiel hat ein paar leckere Flachwasserreviere, welche ich zum Wakestyle fahren sehr bevorzuge. Wo sich meine Leckerbissen genau befinden, werde ich natürlich nicht an den Tag legen. Wäre ja schön blöd von mir. Da jeder der dieses Interview ließ Internet hat, gebe ich euch den Tip, einfach mal bei GoogleEarth vorbeizuschauen und auf die Suche zu gehen. Es gibt etliche Ecken die noch nicht entdeckt wurden und perfekte Bedingungen bereit halten.

Hast du trotz Deines Studiums eigentlich genug Zeit zu trainieren?

Keine Ahnung… Pünktlich zum Beginn des ersten Semesters riss mir ja leider das Kreuzband und damit war das normale Training gestrichen und ich musste mich auf drei Mal die Woche Physiotherapie beschränken. Ich mache mir aber keine Sorgen, dass ich zu wenig aufs Wasser kommen werde, da Freistunden, Wochenenden und Semesterferien sinnvoll genutzt werden können. Außerdem sind nicht alle Vorlesungen Pflichtveranstaltungen…

Wie erklärst du dir, dass unsere kleinen Nachbarn aus den Niederlanden international so erfolgreich sind ?

Dafür gibt es sicherlich die unterschiedlichsten Gründe.

Support, Windbedingungen, etc…

Letztendlich ist es aber von jeder Person selbst im einzelnen abhängig. Wenn die Motivation stimmt und keine Mühen gescheut werden, kann man jedes Ziel erreichen.

Was müsste sich in Deutschland ändern, damit mehr Nachwuchsfahrer in der zukünftigen Weltspitze mitfahren können?

Für eine zukünftige deutsche Weltspitze müssten wir entweder einen meteorologischen Wandel bekommen, der den deutschen Spots konstante 5bft und tropische Temperaturen bringt, oder den Nachwuchsfahrern so viel Support geben, dass sie alle zusammen an den besten Spots der Welt trainieren können. Momentan sieht es aber so aus, als würde sich die ganze Sache etwas in die andere Richtung verändern. Man kann nur hoffe, dass der ewige Winter bald ein Ende hat und es nicht in einer Eiszeit endet.

Du bist seit Jahren von Naish Kiteboarding gesponsert, was gefällt dir besonders gut an der Marke “Naish“?

Ich fühle mich im Naish-Team sehr wohl und es ist für mich in der langen Zeit schon wie eine kleine Familie geworden. Der Support ist sehr gut und die Qualität des Equipments lässt ebenfalls nicht zu wünschen übrig. Ich bin rundum gut versorgt und glücklich.

Der Torch gehört zu den besten C Kites auf dem Markt. Auch dieses Jahr wurde er erneut etwas optimiert. Was gefällt dir besonders gut am neuen Torch ?

Das Feeling, wenn man den Kite in die Luft lässt, entspricht einfach genau dem, wie ich es mir für einen gegenwärtigen Hochleistungs-C-Kite vorstelle. Er dreht schnell und gleichmässig, wobei er durch hohe Flugeschwindigkeit schon bei geringem Wind ordentlich Power entwickelt. Die Steuerkräfte sind eher hoch einzuschätzen, während sich der Grundzug an der Bar im Mittelfeld bewegt. Dadurch weiss man immer genau, wo der Kite steht und er reagiert sehr direkt auf Lenkbefehle. Neben Freestyle macht der Torch durch seine hohe Fluggeschwindigkeit und geringe Backstall-Anfälligkeit auch in der Welle sehr viel Spaß.

Naish hat 2010 auch neue Boards mit neu entwickelten Schlaufen, wie findest du diese (:-) kleiner Scherz) du fährst ja feste Bindungen ?

Die Entwicklungen des Equipments bringen das Leistungspotential des Sports jedes Jahr weiter nach vorne. Mit den neuen Schlaufen von Naish wird einem die Möglichkeit für sehr guten Halt auf seinem Board gegeben. Dieses absolut innovative System bringt einem ein neues Boardgefühl für noch mehr Action auf dem Wasser bei jeden Bedingungen. Selbst kabbeligstes Wasser kann dem Halt in den neuen Naish-Schlaufen nichts anhaben. Daher werden schwierig zu landene Moves einfacher und der Bewegungsfreiraum ist nicht so eingeschränkt, wie es bei festen Bindung der Fall ist. Ich selbst fahre Bindungen um die Limits noch weiter zu pushen und bei härtesten Landungen immer noch volle Kontrolle zu haben.

Letztes Jahr warst du bei Robby Naish auf Hawaii und hast dort einige Zeit verbracht. Wie war das bei ihm zuhause, ich habe gehört, dass er es mag in ganz einfachen und normalen Verhältnissen zu leben?

Genau…. ;-) wenn er seine Verhältnisse als einfach und normal ansieht, weiß ich nicht, wie er leben würde, wenn er Luxus bevorzugt. Sein kleines Domizil auf Maui lässt Männerherzen höher schlagen. Neben einer Garage für sein „Spielzeug“, wie ein Rennauto, JetSkis, etc., hat er vor seinem Haus noch eine Crossstrecke für Buggys. Ich denke aber das es ganz normal ist, wenn man Robby Naish heißt… Er selbst ist ein ganz entspannter auf dem Boden gebliebener, sympathischer Typ. Die Zeit bei ihm war ein Erlebnis und ich freue mich schon auf den nächsten Trip nach Maui.

Rick nimmt aktuell an einem Video-Wettbewerb teil. Er hat uns gebeten darauf aufmerksam zu machen. Das wollen wir ihm nicht nehmen und geben euch hier den LINK, um für ihn zu voten.


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